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Boardaholic
Stand Up Paddling

Drop Stitch: die Technik im Inneren des SUP

Ohne Drop Stitch gäbe es keine aufblasbaren SUPs, auf denen man stehen kann. Die Technik stammt aus dem Bootsbau und steckt heute in fast jedem iSUP – in sehr unterschiedlicher Qualität.

Aktualisiert am 26.09.20264 Min. LesezeitLevel: alle

Querschnitt eines aufblasbaren SUP mit Drop-Stitch-FädenDeck mit EVA-PadBoden / UnterwasserschiffLuftkammer mitTausenden FädenRail
Querschnitt eines iSUP: Die Fäden spannen sich und halten Deck und Boden parallel.

Das Prinzip

Zwei Lagen eines stabilen Grundgewebes werden durch Tausende Polyesterfäden miteinander verbunden, ähnlich wie bei einem Abstandsgewirke. Die Fäden sind alle gleich lang. Wird der Hohlraum mit Luft gefüllt, spannen sie sich und halten die beiden Außenflächen exakt parallel. Heraus kommt ein flacher Körper mit geraden Flächen – ein Brett statt eines Luftkissens.

Die Technik kam ursprünglich bei Schlauchbootböden und Rettungsgeräten zum Einsatz, bevor sie das SUP massentauglich machte.

Warum Druck und Fäden zusammengehören

Je höher der Druck, desto stärker spannen sich die Fäden, desto steifer wird das Board. Doch der Druck belastet auch die Verbindung der Fäden mit dem Gewebe und die Verklebung der Außenhaut. Deshalb gibt jeder Hersteller einen Maximaldruck an. Ein Board, das mit 25 PSI beworben wird, hat in der Regel robustere Materialien als eines mit 12 PSI Grenze.

Die Varianten

VarianteAufbauEigenschaft
Standard Drop Stitchgerade Fäden, gleichmäßig verteiltsolide Basis, weit verbreitet
Knitted / Woven Drop Stitchgewirktes oder gewebtes Grundmaterialleichter bei gleicher Steifigkeit
Fusion / MSLAußenschicht werksseitig verschweißt statt geklebtleichter, weniger Kleberfehler
Double Chamberzweite Luftkammer im Innerenzusätzliche Sicherheit, mehr Steifigkeit

Die Bezeichnungen sind teilweise Markennamen und nicht einheitlich. Frag im Zweifel nach Gewicht, Maximaldruck und Anzahl der Lagen – diese drei Werte sagen mehr als ein Werbebegriff.

Fadendichte und Fadenlänge

Mehr Fäden pro Quadratmeter bedeuten gleichmäßigere Flächen und weniger „Beulen“ auf dem Deck. Die Fadenlänge bestimmt die Dicke des Boards: 4" für Kinder- und Wellenboards, 6" für Allround und Touring. Sechs Zoll dicke Boards sind bei gleichem Druck steifer, liegen aber höher im Wasser und bieten mehr Windangriffsfläche.

Pro-TippDrückst du mit dem Daumen fest aufs Deck eines aufgepumpten Boards, sollte es kaum nachgeben. Wenn sich Wellen oder Dellen bilden, ist der Druck zu niedrig – oder das Material weich.

Grenzen der Technik

Drop Stitch macht ein Board steif, aber nicht so steif wie einen Hartschaumkern. Auf den Rails, also den Seitenkanten, gibt es keine Fäden – hier hält nur die Außenhaut die Form. Deshalb verstärken gute Hersteller die Rails mit zusätzlichen Lagen oder Carbonstreifen. Mehr dazu im Beitrag Double Layer.

Pflege

Innen gibt es nichts zu pflegen. Außen gilt: kein Knicken bei Kälte, keine Hitze im aufgepumpten Zustand, Salz abspülen, trocken lagern. Und das Ventil nach jedem Ablassen wieder schließen, damit kein Sand hineingerät. Wie du richtig pumpst, steht unter SUP aufpumpen.

Warum iSUPs trotzdem nicht so steif wie Hardboards sind

Selbst bei hohem Druck gibt es Grenzen. Die Fäden sind elastisch, das Gewebe dehnt sich minimal, und die Luft selbst ist komprimierbar. Wenn ein Paddler mittig auf dem Board steht, wirkt die Last wie auf eine Brücke – das Board biegt sich einige Millimeter durch. Bei 10-Fuß-Boards merkt man das kaum, bei 14-Fuß-Race-Boards deutlich. Deshalb arbeiten Hersteller mit Verstärkungen: Carbonstreifen entlang des Decks, zusätzliche Rail-Bänder oder zweite Kammern.

Drop Stitch außerhalb des SUP

Dieselbe Technik steckt in aufblasbaren Bootsböden, Gymnastikmatten, Kajaks, Zeltböden und Rettungsplattformen. Überall dort, wo eine flache, belastbare Fläche aufblasbar sein soll, kommt Drop Stitch zum Einsatz. Beim SUP hat sie aber erst den Massenmarkt geschaffen.

Worauf du im Laden achtest

Frag den Verkäufer nach dem empfohlenen Betriebsdruck, der Anzahl der Lagen und der Rail-Konstruktion. Wenn möglich, lass dir ein aufgepumptes Board zeigen und drück auf die Mitte. Gute Drop-Stitch-Boards fühlen sich bei 15 PSI an wie ein festes Brett – schlechte wie eine Luftmatratze mit Kanten.

Häufige Fragen

Kann man ein Drop-Stitch-Board selbst reparieren?

Kleine Löcher in der Außenhaut ja, mit PVC-Flicken und passendem Kleber. Gerissene Fäden im Inneren lassen sich dagegen nicht reparieren – das Board bekommt dann eine Beule.